Herbst im Elsass: Colmar, Weinprobe im Munstertal und ein Wochenende in der Domaine de Haslach

Manche Reisen brauchen kein Flugzeug. Eine Stunde und vierzig Minuten von Luzern entfernt beginnt eine Region, die im Herbst aussieht, als hätte jemand die Farben extra aufgedreht: goldene Weinberge, Fachwerkhäuser in Gelb und Rot und ein Licht, das jeden Platz in Colmar wie eine Filmkulisse wirken lässt. Auf Einladung der Agence Régionale du Tourisme Grand Est haben wir Ende Oktober ein langes Wochenende im Elsass verbracht. Wer selbst plant, findet auf explore-grandest.com alles zur Region.

Freitag: Domaine de Haslach in Munster

Unser Zuhause für zwei Nächte war die Domaine de Haslach in Munster, am Eingang des Munstertals. Das ehemalige Sanatorium von 1912 liegt am Waldrand über dem Tal und verbindet heute ruhiges, modernes Design mit viel Holz und warmem Licht. Zur Begrüssung stand ein Crémant d’Alsace bereit, und die Betten sind so gut, dass man am Morgen kurz überlegt, ob das Frühstück wirklich so wichtig ist.

Am Abend lohnt sich der Wellnessbereich mit Innenpool unter einem gemalten Himmel. Danach gab es im Restaurant der Domaine das Menü «Petit Haslach»: regionale Küche, fein gemacht, und ein Dessert, an das ich noch heute denke. Der perfekte Auftakt.

Samstag: Frühstück mit Blick ins Tal

Das Frühstück ist es dann doch wert. Mit Blick auf die herbstlichen Hügel, einem Kaffee und frischen Croissants beginnt ein Tag im Elsass genau richtig.

Colmar auf eigene Faust mit dem Hopla Guide

Colmar ist an einem sonnigen Herbstmorgen kaum zu übertreffen. Statt einer klassischen Führung haben wir die Stadt mit dem Hopla Guide entdeckt, einem interaktiven Rundgang im eigenen Tempo. Den Beutel mit kleinen elsässischen Überraschungen holt man im Office de Tourisme de Colmar an der Place Unterlinden ab, die App liefert Rätsel, Geschichten und kleine Aufgaben. Die Route führt durch die Altstadt, am Unterlinden-Museum vorbei, zur Maison des Têtes mit ihren über hundert Steinköpfen, durch die Grand Rue zur Ancienne Douane und endet im Park am Champ de Mars.

Der schönste Moment ist für mich immer die Petite Venise. Die gelben und roten Häuser spiegeln sich im Wasser der Lauch, Boote gleiten unter den Brücken durch, und im Herbst rahmt das Laub alles golden ein. Für einen Mann im Mantel gibt es kaum einen besseren Hintergrund.

Zum Mittagessen gab es im Zinc in der Altstadt, was im Elsass einfach dazugehört: Flammkuchen, dünn, knusprig und mit Speck und Zwiebeln. Danach ein Kaffee und ein Schokoladenküchlein, und der Spaziergang durch die Stadt ging weiter.

Weinprobe bei der Domaine Schoenheitz

Am Nachmittag ging es zurück ins Munstertal, nach Wihr-au-Val. Die Domaine Schoenheitz ist ein Familienweingut, das seine Reben an den steilen Hängen rund um das Dorf pflegt. Die Fahrt durch die goldenen Weinberge war schon die halbe Weinprobe.

Im alten Fasskeller riecht es nach Holz und Geschichte, auf den Fässern steht der Name der Familie. Die Degustation selbst fand im Probierraum statt, mit einer Führung auf Deutsch. Elsässer Weissweine sind präzise, mineralisch und erstaunlich vielseitig. Wer bisher nur an süssen Gewürztraminer denkt, sollte hier unbedingt probieren.

Dinner im La Châtaigneraie

Den Samstagabend verbrachten wir im Restaurant La Châtaigneraie im Hôtel Perle des Vosges in Muhlbach-sur-Munster, ausgezeichnet mit einem Bib Gourmand des Guide Michelin. Das Haus liegt erhöht über dem Tal, und wer kurz vor Sonnenuntergang ankommt, sieht die Vogesen im letzten Licht. Die Küche ist kreativ und farbenfroh, jeder Teller ein kleines Kunstwerk, und der Service herzlich.

Sonntag: Parc du Petit Prince und Écomusée d’Alsace

Am Sonntag fuhren wir nach Ungersheim, rund vierzig Minuten von Munster. Der Parc du Petit Prince ist ein Freizeitpark rund um die Geschichte von Saint-Exupéry, im Herbst dekoriert mit Kürbissen und Halloween-Szenen. Ich habe mir die Achterbahn nicht nehmen lassen, danach ging es gemütlicher weiter: Kettenkarussell, Mini-Farm mit Schafen, Ziegen und Kaninchen und eine Pizza zum Mittag.

Gleich nebenan liegt das Écomusée d’Alsace, das grösste Freilichtmuseum Frankreichs. Über siebzig historische Häuser aus dem ganzen Elsass wurden hier Stein für Stein wieder aufgebaut: Fachwerkhöfe, eine Mühle mit Wasserrad, ein mittelalterlicher Wohnturm, alte Werkstätten und eine Apotheke. Im Herbstlicht unter den alten Bäumen fühlt man sich, als wäre man ein Jahrhundert zurückgereist. Für einen Spaziergang im Anzug ist es fast zu perfekt.

Fazit

Das Elsass ist das ideale Wochenendziel ab der Schweiz: kurze Anreise, eine Küche, die man ernst nehmen muss, hervorragende Weine und Städte, die im Herbst kaum schöner sein könnten. Mein Tipp: früh in Colmar sein, solange die Gassen noch ruhig sind, und unbedingt eine Weinprobe im Munstertal einplanen.

Gut zu wissen

Diese Reise fand auf Einladung der Agence Régionale du Tourisme Grand Est statt. Mehr Inspiration für die Region: explore-grandest.com, auf Instagram @exploregrandest.officiel.

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